
Bei Bitcoin gab es heuer einen sehr frühen „Wintereinbruch“ – der Preis stürzte innerhalb weniger Wochen kräftig ab. © Akil Mazumder – GettyImages.com
Bitcoin-Absturz: Eine ganzheitliche Einordnung
Der Bitcoin-Kurs hat innerhalb weniger Wochen um mehr als 30 Prozent verloren. Dieser Beitrag zeigt die Hintergründe auf und welche Chancen damit verbunden sind.
Von Matthias Reder

Dieser Artikel ist von mir, Matthias Reder, für das GEWINN-Magazin verfasst worden. Das GEWINN-Magazin ist Österreichs führendes Wirtschaftsmagazin für Anleger, Unternehmer und finanzinteressierte Menschen – und offizieller Medienpartner von RETTE DEIN GELD. Erfahre auf der Partnerseite alles über unsere Kooperation.
Anfang Oktober 2025 schien die Bitcoin-Welt noch völlig intakt: Mit knapp 129.000 US-Dollar erreichte der Kurs ein neues Allzeithoch, befeuert von der Hoffnung auf Zinssenkungen, einer robusten US-Konjunktur und starken Zuflüssen in Bitcoin-ETFs. Schon der Start ins Jahr 2025 war verheißungsvoll: Der Bitcoin setzte die Rallye vom Vorjahr fort und kletterte zunächst von 93.400 auf fast 110.000 US-Dollar, ehe ein Rücksetzer im Frühjahr bis auf rund 76.000 Dollar folgte. Von dort aus setzte eine der dynamischsten Aufwärtsbewegungen der vergangenen Jahre ein – bis der Markt abrupt drehte. Denn der anschließende Absturz gehört zu den stärksten absoluten Korrekturen der Bitcoin-Geschichte. Innerhalb weniger Wochen verlor Bitcoin mehr als 37 Prozent beziehungsweise fast 50.000 US-Dollar pro Einheit.

Für institutionelle Anleger, Fonds und Vermögensverwalter ist das ein massiver Einschnitt – gerade in einem Jahr, in dem fast alle anderen großen Anlageklassen im Plus stehen. Seit der Einführung von Bitcoin-Spot-ETFs in den USA im Jänner 2024 gab es einen steten Zustrom an Wall-Street-Geldern, die sich eine gute Rendite versprachen. Damals bei knapp 40.000 Dollar ein aus heutiger Sicht sehr gutes Einstiegsniveau. Gerade diese Wall-Street-Firmen sehen jetzt ihre Kursgewinne schwinden und werden wohl den einen oder anderen Teil ihres Investments durch Verkäufe die Kursgewinnmitnahme abgesichert haben. Dabei sprechen wir nicht von kleinen Verkaufstickets, sondern eben von täglich massivem Verkaufsdruck.
Was hinter dem Absturz steckt
Ein nüchterner Blick auf das fundamentale Umfeld zeigt ein erstaunlich anderes Bild, als die aktuelle Preisdynamik vermuten lässt. Trotz geopolitischer Spannungen bleibt die US-Wirtschaft stabil, die großen Technologiekonzerne liefern Rekordzahlen, und die Zinssenkung der US-Notenbank Federal Reserve gab weitere positive Impulse. Viele mit Risiko behaftete Vermögenswerte – vor allem Aktien und Gold – liegen in diesem Umfeld 2025 klar im Plus.
Warum also fällt Bitcoin so stark? Grund dafür ist kein einzelnes Ereignis, sondern ein Bündel von Faktoren: Einerseits sorgen Gewinnmitnahmen großer Fonds nach dem Allzeithoch und Abflüsse aus Bitcoin-ETFs durch strategische Jahresendumschichtungen für Verkaufsdruck. Zusätzlich herrscht erhöhte Unsicherheit durch US-Handelszölle insbesondere, wenn es um Exporte von China in die USA geht. Für weiteren Abwärtsdruck sorgten auch etliche gehebelte Bitcoin-Investments, die in der Korrektur zwangsliquidiert wurden. Und schließlich war das Marktsetup nach der Rallye schlichtweg überhitzt. Bitcoin ist somit nicht Opfer eines Netzwerk- oder Technologieproblems. Vielmehr handelt es sich um eine klassische Liquiditäts- und Sentimentkorrektur in einem Markt, der sich nach dem Rekordhoch als überkauft erwiesen hat.
Das Wie und das Warum fasst diese Aussage treffend zusammen: „Der Bitcoin-Kurs macht die Headline – nicht die Headline den Bitcoin-Kurs.“ Während der Preis schwankt, arbeitet das Netzwerk stabil: Die Rechenleistung im Bitcoin-Netzwerk (Hashrate) erreichte zuletzt neue Höchststände, Transaktionen werden zuverlässig abgewickelt und der Sicherheitsmechanismus der Bitcoin-Miner funktioniert ohne Einschränkungen. Die Volatität betrifft also primär das Preisschild in Fiatwährungen – nicht die technische Substanz.
Fear and Greed Index: So lässt sich die Stimmung messen
Um extreme Marktphasen besser zu verstehen, lohnt ein Blick auf den CMC Crypto Fear and Greed Index von der Krypto-Informationsplattform coinmarketcap.com. Diese Kennzahl verdichtet verschiedene Kennzahlen wie Volatilität, Volumen, Social Sentiment und Trendindikatoren zu einem Wert zwischen null (extreme Angst) und 100 (extreme Gier). Rückblickend zeigten Werte unter 20 häufig besonders pessimistische Marktphasen – mit anschließend überdurchschnittlichen Erholungen.

Zwischen März und Mai 2025 stand der Index bei rund 15 Punkten, zeitgleich mit Kursen um 76.000 Dollar. Die Rallye bis zum Oktober-Hoch bestätigte das Muster. Heute, am 24. 11. 2025, notiert der Index sogar bei zwölf Punkten – einem extrem niedrigen Wert, der zuletzt in ausgeprägten Korrekturphasen erreicht wurde.
Bitwise Asset Management untersuchte, wie sich Bitcoin statistisch entwickelt, wenn Anleger bei einem Stand des Fear and Greed Index von unter 20 einsteigen. Das Ergebnis: Im Schnitt war der Bitcoin-Kurs 30 Tage nach dem Einstieg um 19,9 Prozent höher, nach 60 Tagen um 44,2 und nach 90 Tagen um 62,4 Prozent höher. Zwar lässt sich daraus kein Zukunftsversprechen ableiten, doch solche Daten helfen, extreme Marktphasen historisch einzuordnen.
Einordnung im historischen Kontext
Bitcoin bewegt sich seit seiner Entstehung in klaren Halving-Zyklen, die typischerweise rund vier Jahre dauern. Ein Halving ist der im System festgeschriebene Zeitpunkt, an dem die Belohnung der Bitcoin-Miner für die Bereitstellung ihrer Rechenleistung halbiert wird. Dieser Zyklus folgt ähnlichen Mustern: Anstieg – Übertreibung – Korrektur – Konsolidierung – erneuter Aufwärtstrend. Rückgänge zwischen 30 und 50 Prozent sind in diesen Zyklen keineswegs ungewöhnlich. In manchen Phasen fielen die Kurse sogar deutlich stärker.
Der aktuelle Rückgang von fast 40 Prozent bewegt sich daher im historischen Rahmen. Das bedeutet nicht, dass die Korrektur vorbei ist – aber sie ist keinesfalls außergewöhnlich. Entscheidend ist, wie sich das Zusammenspiel aus Liquidität, ETF-Strömen und makroökonomischen Erwartungen entwickelt.
Zwei Signale sprechen für eine mögliche Stabilisierung. Erstens: Der Fear and Greed Index zeigt aktuell ein extrem niedriges Niveau, was anzeigt, dass derzeit die Angst unter den Marktteilnehmern überwiegt. Zweitens: Die makroökomischen Fundamentaldaten sind stabil und zumindest nicht schlechter geworden.
Auf der anderen Seite könnten weitere ETF-Abflüsse oder großvolumige Umschichtungen institutioneller Portfolios kurzfristig zusätzlichen Druck erzeugen. Die zunehmende Institutionalisierung des Bitcoin-Markts sorgt darüber hinaus dafür, dass Kapitalflüsse inzwischen stärker wirken als früher. Da helfen auch keine ersten Käufe wie von der tschechischen Zentralbank oder dem luxemburgischen Staatsfonds zum Ausgleich. Symbolik alleine macht hier keine Kurse, sondern nur handfeste Liquidität.
Was bedeutet das für Anleger?
Der jüngste Absturz zeigt, dass Bitcoin trotz wachsender Reife immer noch ein hochvolatiler Vermögenswert bleibt. Wer investiert, muss Schwankungen dieser Größenordnung einplanen. Zugleich zeigt die Vergangenheit, dass viele dieser Rücksetzer Teil eines größeren Zyklus waren, der langfristig zu neuen Höchstkursen führte.
Fundamental hat sich am Bitcoin-Netzwerk nichts geändert: Es ist weiterhin knapp, global, dezentral und technisch sicher sowie stabil. Kurzfristig dominieren Sentiment und Liquidität – langfristig wirken Knappheit, anhaltende Adoption und technologischer Nutzen.
Für Anleger bedeutet das: Eine klare Strategie, ein definierter Zeithorizont und Risikobewusstsein sind wichtiger als Headlines. Die aktuelle Korrektur ist ein Beispiel dafür, wie stark Emotionen die Wahrnehmung verzerren können – während sich strukturelle Faktoren kaum verändert haben.
Tipp: Die Firma Bitwise Asset Management hat in einer weiterführenden Studie den Zusammenhang zwischen dem Fear and Greed Index und dem weiteren Verlauf des Bitcoin-Preises untersucht.
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Ich hoffe, der Artikel konnte einiges an Zusatzinfos geben. Für Fragen stehe ich sehr gerne im kostenlosen Erstgespräch zur Verfügung!






