„Der Zinseszinseffekt wird an den Schulen kaum noch gelehrt“ – Mein Interview mit DiePresse.com

12. Januar 2026

DiePresse.com hat mich im Januar 2026 interviewt. Lies hier nach, was ich zum idealen Bitcoin-Anteil sage. Foto by Clemens Fabry.

Im Interview mit DiePresse.com: Das ist der ideale Bitcoin-Anteil

Am 12. Januar 2026 erschien ein Artikel auf DiePresse.com, in welchem ich, Matthias Reder, ein Fachgespräch zu Bitcoin geführt habe. Gerne teile ich die Inhalte auch hier mit der RETTE DEIN GELD-Community.

Von Beate Lammer

Dieser Artikel ist von Beate Lammer ursprünglich für DiePresse.com verfasst worden. Hier findest du den Artikel als digitales Original.


Die Presse: Sie bieten Beratung zu Bitcoin-Mining an. Für wen zahlt sich so etwas aus? Kann jeder Bitcoin minen?

Matthias Reder: Es zahlt sich für jeden aus, der eine eigene Energiequelle hat. Fürüberschüssige Energie, die du nicht verbrauchst und die du über das Netz einspeist, bekommst du praktisch nichts mehr. Wir haben früher Einspeisetarife von 14, 15, 16 Cent gesehen, jetzt sind wir bei 5,8 Cent. Da bringt das Bitcoin-Mining mehr: Aktuell bekommt man mit den kleinen Home-Miner-Geräten rund acht Euro-Cent auf die Kilowattstunde. Natürlich in Bitcoin. Die kann man behalten odergleich in Euro konvertieren.

Für Leute, die in irgendeiner Wohnung in Wien sitzen und keine PV-Anlagehaben, zahlt es sich nicht aus?

Matthias Reder: Nein, mit dem Netzstrom würde ich Bitcoin-Mining nicht machen. Das zahlt sich nur aus, wenn man seine eigene Stromquelle hat oder jetzt schon mit Strom heizt.

Sie waren ursprünglich Banker. Wann haben Sie zum ersten Mal von Bitcoin gehört?

Lange vor 2016. Ich hatte einen Freund, der mir zwei Jahre lang nachgelaufen ist und gesagt hat: „Du als Banker musst dir das anschauen!“ Ich habe es zunächstabgetan und gesagt: „Lass mich in Ruhe mit dem Darknet-Geld.“ Aber er hat mich so lang bekniet, bis ich mich an einem regnerischen Tag hingesetzt und Research gemacht habe. Und dann bin ich in das Rabbit-Hole hineingefallen, bis ich 2017 beim damaligen Bitcoin-Allzeithoch von 20.000 Dollar meinen Banker-Job gekündigt habe und mich nur Bitcoin widmen wollte.

Der Bitcoin-Preis ist sehr volatil, das muss man erst einmal aushalten.

Ich bin nicht jemand, der nur alles in Bitcoin hat. Meine Strategie basiert auf vier Säulen: physisches Gold, digitales Gold, Firmengold, sprich Aktien, und Betongold, sprich Immobilien. Das sind meine vier Standbeine. Das sage ich seit 2020 auch auf meinem Kanal „Rette dein Geld“. Derzeit freue ich mich für meine Goldmünzen. Aber ich sage nicht, schade, hätte ich mehr gekauft. Sondern es geht mir um diesen Mix. Ich schaue, dass ich die vier immer ein bisschen austariere.

Was ist der ideale Bitcoin-Anteil? 

Das kommt darauf an. Ich glaube, so wie Gold. Rund zehn Prozent des freiverfügbaren Vermögens macht aus meiner Sicht Sinn.

Junge Leute finden oft Krypto spannender als Immobilien. Für letztere haben sie sowieso kein Geld.

Jein. Gerade wenn sie dann Familie gründen oder zum Studieren irgendwo hinziehen, werden sie mit dem Thema konfrontiert. Dann sollten sie sich überlegen: Was kann ich langfristig mit der Wohnung anstellen? Kann ich die weitervermieten? Oder wie schaut das Geschäftsmodell dann generell mit der Immobilie aus? Natürlich sind jetzt Kryptowerte hip, weil auf TikTok immer wieder irgendein neuer Kryptowert durch die Straßen getrieben wird. Aber wenn wir ganz ehrlich sind, was wurde denn aus den Highflyern der letzten drei bis fünf Jahre? Wo sind die im aktuellen Rankings der Top 10? Die sehe ich nicht. Bitcoin hat hier als Wertspeicher einen tollen Job gemacht.

Bitcoin hat sich in den ersten Jahren vertausendfacht. Jetzt wollen Leute, die erst einsteigen, auch eine Vertausendfachung. Sie wissen, dass das über Bitcoin unrealistisch ist.

Da halte ich es mit Warren Buffett auf die Frage, warum ihn so wenige kopieren. Er hat darauf gesagt, weil niemand langsam reich werden möchte. Man muss den jungen Leuten beibringen, dass es wirklich überdurchschnittlich gut ist, wenn man zehn Prozent im Jahr macht.

Kann das daran liegen, dass die Leute einfach unterschätzen, wie viel zehn Prozent pro Jahr langfristig sind?

Der Zinseszinseffekt wird an den Schulen kaum noch gelehrt. Zehn Prozent pro Jahr sind nach sieben Jahren eine Verdoppelung. Allerdings läuft es nicht jedes Jahr so. Seit ich bei Bitcoin bin, hatten wir auch zwei harte Jahre mit bis zu minus 80 Prozent. Wenn man alles auf Bitcoin gesetzt hat und genau dann durch irgendeine Lebenssituation – Heirat, Kinder, Finanzamt – plötzlich Geld braucht und seine Bitcoin verkaufen muss, ist das nicht lustig. Mir ist das auch schon passiert.

Ihnen ist das auch schon passiert? 

Ja, ich war Teilzeitangestellter bei Coinfinity und habe gleichzeitig als Selbstständiger gearbeitet. Ich habe damals Vorträge in Wiener Neustadt gehalten,also einen eigenen Bitcoin-Hub gehabt. 2017, als Bitcoin fast bei 20.000 Dollar war, haben wir extra zwischen Weihnachten und Neujahr eine Vortragsveranstaltung eingeschoben. Da waren fast 200 Leute, wir haben die Tür nicht zubekommen .Dann ist Bitcoin auf 3000 Dollar gefallen. 2019 waren wir zu dritt. Niemand wollte mehr etwas wissen von Bitcoin, und ich habe aus meiner Nebentätigkeit keinen Umsatz mehr generiert. Ich habe auf die Reserven zurückgreifen müssen – und Bitcoin verkauft. 2020 ist es wieder besser geworden. Aber den Schweinezyklus gibt es noch immer. Das sehen halt viele Leute nicht so. Ich verstehe nicht, wie man bei einem Bitcoin-Preis von 100.000 Euro auf einen Vortrag geht, mitbekommt, wofür Bitcoin eigentlich steht, es unbedingt kaufen will – und es dann um 75.000 nicht mehr will.

Naja, wenn Bitcoin von 68.000 auf 15.000 Dollar fällt, dann machen sich auch Hartgesottene Sorgen.

Ich kann das ja bis zu einem gewissen Teil verstehen. Aber wenn ich bei 100.000 Euro zu Bitcoin gekommen bin und damit geliebäugelt habe, dass ich vielleicht 10.000 investieren möchte, warum investiere ich dann nicht wenigstens 2000 Euro, wenn es bei 70.000 steht? Aber die meisten Leute schaffen das nicht. Die sind es schlichtweg nicht gewöhnt, selber Finanzentscheidungen zu treffen. Es wurde ihnen ja auch abtrainiert. Da gehe ich zu meinem Banker, da habe ich meine Versicherung, die haben einem alle Arbeit abgenommen. Es hat ja auch einen schönen Zinssatz gegeben. Die Renditen haben gepasst, auch damals bei den Lebensversicherungen. Es ist ja alles gut gelaufen. Wir hatten ja eine stabile Inflation. Aber die Zeit ist halt jetzt schon ganz anders.

Kann es sein, dass viele Leute das Prinzip Inflation nicht verstehen?

Ganz viele. Ich erzähle Ihnen jetzt ein Beispiel. Ich habe fast zehn JahreSparkassenausbildung und fast zehn Jahre Raiffeisenausbildung gemacht. Ich habealles mit Auszeichnung beendet. Aber kein einziger hat mir erklärt, wie Geldschöpfung funktioniert. Damit habe ich mich erst befasst, als ich mich mit Bitcoin beschäftigt habe. 

Manche finden die Kritik an unserem Geldsystem übertrieben, weil es ja seitJahrzehnten funktioniert.

Ich wohne hier im Bezirk Mattersburg und ich darf nochmals erinnern: Ein Martin Pucher hat mit seiner Commerzialbank Mattersburg einen Schaden von fast 800 Millionen Euro für die Republik Österreich gemacht – in unserem Bankensystem durch fehlende Prüfung oder ineffiziente Prüfung. Dann hatten wir das Thema Wirecard. Es gibt so viele Beispiele, die zeigen, wie unser System mit Fehlern behaftet ist.

Es gibt ja auch „Bitcoin-Betrug“, der mit Bitcoin nur am Rande zu tun hat. Sie sind selbst Betrugsopfer geworden. Wie kam das?

Ich habe damals den falschen Leuten vertraut. 2016 habe ich erstmals Bargeld am Automaten in Bitcoin gewechselt. Als Banker habe ich gedacht, natürlich musst du die Bitcoin für dich arbeiten lassen. Und dann habe ich meine Bitcoin in ein falsches Trading-System eingezahlt und hatte einen Totalverlust. In Summe waren es 15 Bitcoin. Das ist jetzt im Endeffekt sehr schmerzhaft. Auf der anderen Seite habe ich gemerkt: Wenn ich da etwas mache, dann muss ich mich wirklich auskennen. Also habe ich mich richtig reingekniet. Und dann habe ich angefangen – mit dem Gewerbeschein für EDV-IT-Dienstleistungen – meinen Kunden zu helfen, mit Ledger oder Bitbox (Hardware-Wallets zur Selbstverwahrung von Bitcoin, Anm.) ihre Sachen wirklich ordentlich durchzuziehen. Und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass keiner meiner Kunden in irgendeiner Art und Weise etwas verloren hat.

Diese Betrugsarten gibt es ja noch immer. Wie erkennt man solchen Betrug?

Eigentlich nur durch Schmerz. Wenn du für solche Angebote anfällig bist, dann spricht die Gier in dir und nicht die Vernunft. Dann zahl bitte einmal 250 Euro ein, aber nicht mehr. Und schau, wie es sich entwickelt, und schau vor allem, wie du dann wieder zu deinem Geld kommst. Die Probleme fangen meist dann an, wenn du auszahlen möchtest.

Gibt es irgendwelche Faustregeln, an die man sich halten kann, um nicht einem Betrug zum Opfer fallen? 

Es ist immer verdächtig, wenn es um versprochene fixe Renditen geht. Wenn einer fünf Prozent die Woche Mining-Ertrag verspricht, da bin ich schon raus. Denn beim Mining kommt es auf zwei wesentliche Parameter an. Das eine ist die Hashrate, also quasi die Difficulty, die im Netzwerk vorherrscht. Und das andere ist der Bitcoin-Preis. Nachdem ich den Bitcoin-Preis der nächsten fünf Minuten nicht weiß, wie soll ich beim Mining dann einen Ertrag auf die nächsten Wochen oder Monate fix zusagen können? Das ist schon mal ein Indiz. Nichts ist im Leben fix.

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Ich hoffe, der Artikel konnte einiges an Zusatzinfos geben. Für Fragen stehe ich sehr gerne im kostenlosen Erstgespräch zur Verfügung!

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